K.O.-Tropfen-Prävention

K.O.-Tropfen dienen dazu, das Opfer bewusst- und hilflos sowie handlungsunfähig zu machen, während der Täter eine Sexualstraftat verübt. Z.B. bei einem Discobesuch werden nichts ahnende Opfer, bevorzugt junge Frauen, mit teils frei erhältlichen K.O.-Tropfen betäubt und anschließend sexuell missbraucht. Am nächsten Morgen haben sie einen “Filmriss”, können sich nicht mehr an das erinnern, was passiert ist.

Wir sehen einen großen Bedarf an präventiven Maßnahmen, die beinhalten, dass Schülerinnen und Schüler in der Altersgruppe 16 - 18 Jahre gute Kenntnisse zu diesem Thema erhalten, sich mit ihrer eigenen Haltung dazu auseinandersetzen und Strategien entwickeln, wie sie sich und andere schützen oder hilfreich eingreifen können, wenn ihnen etwas auffällt.

Außerdem ist wichtig, dass erwachsene Bezugspersonen von Jugendlichen gut informiert sind, wenn möglich Ansprechpartner für diese sind.

Wir bieten an:

  • 90-Min-Workshops in Klassenstufen 10 bis 12
    Es wird ein kurzer Film gezeigt, den Jugendliche in einem Jugendzentrum zu dem Thema erarbeitet und gedreht haben. Anschließend wird das Thema mit Übungen, Kurzreferaten und Diskussionen erarbeitet.
  • Elternabend
    Eltern erhalten die Möglichkeit, sich zu informieren und sich über präventive Strategien auszutauschen.
  • LehrerInnen-Information
    Wir kommen in eine LehrerInnenkonferenz oder zu einem anderen Termin. Neben den Informationen geht es auch um Handlungsfähigkeit im Umgang mit Betroffenen oder auch mit Tätern.


Es ist uns wichtig, den Schutz von Kindern und Jugendlichen auf viele Schultern zu verteilen und Erwachsene über die Möglichkeiten der präventiven Erziehung zu informieren.
Wenn Sie Interesse haben, das K.O.-Tropfen-Projekt an Ihrer Schule durchzuführen, rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns.

 

Sexualisierte Gewalt unter Einfluss von K.O.-Tropfen

 

Als Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt sind wir häufiger mit dem Phänomen sexualisierte Gewalt unter Anwendung betäubender Substanzen konfrontiert. Immer mehr betroffene Frauen und Mädchen haben den Mut, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.

Das Thema zeigt einmal mehr, wie Mädchen und Frauen gezielt ausgenutzt werden und Täter betäubende Substanzen für die Umsetzung ihrer Strategien benutzen. Unter Drogen gesetzt zu werden, sich an nichts zu erinnern, ausgeliefert zu sein, einen totalen Kontrollverlust zu erleben – das macht große Angst.

Präventive Arbeit zu dem Thema bedeutet, etwas zur Stärkung von Frauen und Mädchen zu tun, der Angst und den Vorbehalten der Thematik gegenüber etwas entgegenzustellen. Informationen und sachliche Aufklärung sind dabei wichtige Bausteine.

Stoffkunde

K.O.-Tropfen sind Drogen, die einen Menschen bewusstlos, hilflos oder handlungsunfähig machen. Dahinter können sich verschiedene Wirkstoffe verbergen. In der Medizin werden sie als Narkose- oder Beruhigungsmittel eingesetzt. Manche dieser Medikamente sind flüssig, andere Pulver oder Tabletten. Täter benutzen diese Stoffe, damit ihre Opfer bei Sexualstraftaten oder Diebstahl bewusstlos und wehrlos sind.

GHB und GBL: Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) bzw. Gamma-Butyrolacton (GBL – Vorstufe von GHB) - in der Partyszene bekannt unter "Liquid Ecstasy", "Liquid E", "Liquid X". GHB wurde als Narkosemittel entwickelt und wird heute medizinisch kaum noch eingesetzt. GBL ist eine Vorstufe von GHB und wird im Körper zu GHB umgewandelt. Da es nicht als Betäubungsmittel eingestuft wird, sondern z.B. als Industriechemikalie eingesetzt wird, ist es leicht zugänglich.

Die Wirkung von GBL beginnt bereits nach ca. 10 – 15 Minuten und kann  4 – 5 Stunden anhalten. Es kommt zu einer Wirkungsverstärkung in Verbindung mit Alkohol.

Von außen wirken Opfer angetrunken oder euphorisiert, zunehmend setzt dann Benommenheit bzw. Bewusstheitsverlust ein. Von innen: Die Opfer fühlen sich nicht mehr in der Lage, selbstbestimmt zu handeln, „wie in Watte gepackt“, es ist ein Zustand der Willenlosigkeit und Lenkbarkeit.

Nach erlebter sexualisierter Gewalt unter Einfluss von K.O.-Tropfen haben Betroffene oft keine oder nur vage, bruchstückartige Erinnerungen (Blackout, Filmriss), neben Angst- und Ohnmachtsgefühlen treten häufig Zweifel an der eigenen Wahrnehmung auf. Die Opfer sind verzweifelt wegen den Gedächtnislücken und der Ungewissheit, ob etwas bzw. was passiert ist. Dies führt zu vielfältigen Symptomen wie Panik, Ängsten, Schreckhaftigkeit, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Ekel, Misstrauen, Scham- und Schuldgefühlen.

Prävention

Zentraler Aspekt der Prävention ist die Aufklärung des Umfelds und der Aufruf zur Aufmerksamkeit und Hilfe, wenn sich eine Person in einem Zustand befindet, in welchem sie willenlos erscheint oder stark benommen oder sogar bewusstlos ist. 


Beobachter und Beobachterinnen sollten eingreifen und sicherstellen, dass die Betreffenden tatsächlich in den wirklich „guten Händen“ sind. (Vorsicht: Viele Täter bieten eben gerade ihren Opfern in dieser Situation an, sie sicher nach Hause zu bringen!). 


Eine hohe Verantwortlichkeit ist in diesem Zusammenhang bei Gastgebern aller Art zu sehen, seien es nun private Partyausrichter, Diskobetreiber oder Zelt- und Festivalorganisatoren – mit ihrem Personal. 
Die Verantwortlichkeit füreinander liegt natürlich auch bei den Freunden und Freundinnen, die gemeinsam eine Veranstaltung besuchen.

Das grundsätzliche Prinzip „Wir kommen zusammen, also gehen wir auch gemeinsam“ ist eine der besten Schutzmöglichkeiten.