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Wie kann eine Beratung aussehen?
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Die meisten Frauen wenden sich telefonisch an uns mit dem Wunsch nach
einem Beratungsgespräch. Wir vereinbaren dann einen Termin für das
Erstgespräch. Hier wird zunächst abgeklärt, welches die Wünsche und
Erwartungen der betroffenen Frau sind. Vielleicht möchte sie sich nur
über Therapieangebote im Umfeld, Selbsthilfegruppen oder Ehe- und
Erziehungsberatungsmöglichkeiten informieren. In diesem Fall vermitteln
wir Adressen und stellen unter Umständen auch Kontakt her. Geht es aber
um Themen wie Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch, besteht das
Angebot einer längerfristigen Betreuung und Begleitung. Meistens werden
dann ein oder mehrere Folgetermine vereinbart.
Opfer einer Vergewaltigung fühlen sich häufig mitverantwortlich, weil
sie meinen, eine Situation falsch eingeschätzt oder Vorsichtsmaßregeln
außer Acht gelassen zu haben. Oft schwanken die Frauen zwischen dem
Bedürfnis, sich wehren zu wollen einerseits und dem Wunsch nach
schnellem Vergessen andererseits. In dieser Situation fällt es schwer,
beispielsweise eine Entscheidung über die Frage "Anzeige - ja oder
nein?" zu fällen. Hier informieren wir, welche Konsequenzen eine
Anzeige hat, wie Ermittlungen und Verfahren ablaufen, wie es mit der
Möglichkeit einer Nebenklage aussieht und welche Verjährungsfristen
gelten. Sollte die Frau sich zu einer Anzeige entschließen, bieten wir
eine kontinuierliche Begleitung sowohl zu Polizei, Staatsanwaltschaft,
Rechtsanwältin usw. und auch durch die Gerichtsverhandlung an.
Bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit liegt das Geschehen manchmal
10 bis 15 Jahre oder länger zurück, wenn die Betroffenen unsere Beratungsstelle das
erste Mal aufsuchen. Gerade hier sind regelmäßige Gespräche über einen
längeren Zeitraum oft besonders wichtig, weil Frauen, die bisher noch
nie über den Missbrauch gesprochen haben, meist noch nicht in der Lage
sind, sich für eine Therapie und/oder eine Selbsthilfegruppe zu
entscheiden. Die Betreuung kann auch hilfreich sein, um eventuelle
Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken.
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© Aradia e.V., 2006
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