Hexe





15 Jahre Notruf


Wie kann eine Beratung aussehen?

Die meisten Frauen wenden sich telefonisch an uns mit dem Wunsch nach einem Beratungsgespräch. Wir vereinbaren dann einen Termin für das Erstgespräch. Hier wird zunächst abgeklärt, welches die Wünsche und Erwartungen der betroffenen Frau sind. Vielleicht möchte sie sich nur über Therapieangebote im Umfeld, Selbsthilfegruppen oder Ehe- und Erziehungsberatungsmöglichkeiten informieren. In diesem Fall vermitteln wir Adressen und stellen unter Umständen auch Kontakt her. Geht es aber um Themen wie Vergewaltigung oder sexuellen Missbrauch, besteht das Angebot einer längerfristigen Betreuung und Begleitung. Meistens werden dann ein oder mehrere Folgetermine vereinbart.

Opfer einer Vergewaltigung fühlen sich häufig mitverantwortlich, weil sie meinen, eine Situation falsch eingeschätzt oder Vorsichtsmaßregeln außer Acht gelassen zu haben. Oft schwanken die Frauen zwischen dem Bedürfnis, sich wehren zu wollen einerseits und dem Wunsch nach schnellem Vergessen andererseits. In dieser Situation fällt es schwer, beispielsweise eine Entscheidung über die Frage "Anzeige - ja oder nein?" zu fällen. Hier informieren wir, welche Konsequenzen eine Anzeige hat, wie Ermittlungen und Verfahren ablaufen, wie es mit der Möglichkeit einer Nebenklage aussieht und welche Verjährungsfristen gelten. Sollte die Frau sich zu einer Anzeige entschließen, bieten wir eine kontinuierliche Begleitung sowohl zu Polizei, Staatsanwaltschaft, Rechtsanwältin usw. und auch durch die Gerichtsverhandlung an.

Bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit liegt das Geschehen manchmal 10 bis 15 Jahre oder länger zurück, wenn die Betroffenen unsere Beratungsstelle das erste Mal aufsuchen. Gerade hier sind regelmäßige Gespräche über einen längeren Zeitraum oft besonders wichtig, weil Frauen, die bisher noch nie über den Missbrauch gesprochen haben, meist noch nicht in der Lage sind, sich für eine Therapie und/oder eine Selbsthilfegruppe zu entscheiden. Die Betreuung kann auch hilfreich sein, um eventuelle Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken.


© Aradia e.V., 2006